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"Atem ist ein energetischer Kern, dessen Einfluss in alle Gebiete des menschlichen Lebens hineinreicht." (Ilse Middendorf)


Atemtherapie

Atemtraining und Atemtherapie sind seit dem Altertum bekannt. Sie hatten ursprünglich spirituelle, philosophische oder heilkundliche Bedeutung. Atmung ist Rhythmus und eine fundamentale biologische Funktion des Lebens. Doch Atmen ist mehr als ein rein biologisches Kennzeichen des Lebens. Atmen meint eigentlich "Re-spirare", beseelen, beleben. Der Neurologe A. Domasio, ist sogar überzeugt: "Die Seele atmet durch den Körper". Im Atem spiegeln sich Muster wider, die ihre Wurzeln im Seelischen haben.

Der menschliche Körper ist vom Sauerstoff-Austausch absolut abhängig. Ohne diesen Atem würden wir schon nach 5-15 min sterben. Atem ist unser wichtigstes Lebens- und Kommunikationsmittel. Die Atemtherapeutin Ilse Middendorf ist der Überzeugung: "Atem ist ein energetischer Kern, dessen Einfluss in alle Gebiete des menschlichen Lebens hineinreicht: in die Bewegung, in die Kunst, die Medizin, die Psychologie, die Philosophie und Religion. "Wir atmen ein, von dem, was um uns ist, und wir geben ab, von dem, was in uns ist. .... Atmen ist Geben und Nehmen", so die Atemgymnastin Lodes. Auch für den Gestalttherapeuten Perls war Atmen eine Interaktion, ein Vorgang der Kontaktaufnahme, des "in Berührung Kommens".

In den meisten alten Kulturen wurden Atempraktiken zur spirituellen Weiterentwicklung angewendet und wurden nur geheim gelehrt. Atem erfüllte nicht nur die Funktion, die Sauerstoffzufuhr zu verbessern, sondern Lebensenergie anzureichern und bewusst zu lenken. "Atman" "atmen" ist in indogermanischen Sprachen gleichbedeutend mit dem "Göttlichen in uns". In der Bibel schafft Gott den Menschen aus einem Erdkloß, und "er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele".

Im spirituellen Ansatz Rudolf Steiners und im modernen Yoga bekommt der Atem einen anderen Stellenwert. Mehr dazu hier.

Einen entsprechenden Übungsansatz finden Sie hier.

Atempraxis

Die natürliche Atmung ist die wellenförmige Vollatmung. Sie ist ermüdungsfrei, leicht und weich. Das Zwerchfell bewegt sich in weiter Amplitude, der Atemrhythmus ist langsam, tief, fein und gleichmäßig. Atemwelle, Tonus, Haltung und Organtätigkeit stehen miteinander in Verbindung.

Sind die Muskeln nicht verkrampft und ist die Haltung aufrecht, so dass die Atembewegung ungehindert durchfließen kann, entsteht ein Mitschwingen des ganzen Körpers - also auch der Gliedmassen und Skelettelemente. Beim Einatmen werden die Muskeln der Körperwände von innen heraus sowie die Organe im Bauchraum massiert, Blut- und Lymphzirkulation und der Stoffwechsel in den Geweben werden so aktiviert. Das Herz folgt den Zwerchfellbewegungen und wird dadurch - abgesehen von seinen eigenen pulsatorischen Veränderungen - beim Einatmen vergrößert.

Der menschliche Atem nimmt aufgrund von Verknüpfungen zwischen willkürlicher und unwillkürlicher Atemregulation eine Mittlerstellung zwischen bewusstem und unbewusstem Leben ein. Das Atemzentrum im verlängerten Rückenmark (Medulla oblongata) steuert die Atmung. Das Atemzentrum gehört zum autonomen Nervensystem. Natürlicherweise ist die Atmung eine unwillkürliche Funktion, die vielfachen Einflüssen unterliegt.

Einflüsse auf die Atmung

Der Sauerstoffgehalt des Blutes bzw. des Liquors, der Dehnungszustand der Muskeln, Sehnen und Gelenke sowie Hautreize beeinflussen die Atmung. Auch Meldungen aus anderen Sinnesorganen, Hormone, Medikamente und biologische Rhythmen wirken auf das Atemzentrum.

Willkürlich können Atemrhythmus und -tiefe durch Denkprozesse über die Großhirnrinde manipuliert werden. Impulse aus höheren Zentren des zentralen Nervensystems beeinflussen bei psychischer Erregung die Atmung.

Emotionen setzen sich über die autonome Atemregulierung hinweg. Jedes Gefühl wirkt sich auf die Atmung aus und jede Veränderung der Atmung beeinflusst das Gefühlsleben. Die Zwerchfellbewegung reagiert nicht nur auf die Emotionen selbst, sondern auch auf bloße Gedanken an gefühlsträchtige Situationen. Sich anhäufende Spannung behindert den Atmungsprozess, was wiederum Angst wachruft. Die Atmung kann sowohl aus Angst vor den eigenen Gefühlen als auch aus einem Mangel an Kontrolle reduziert werden. Durch Einschränkung der Sauerstoffzufuhr reduziert sich der Stoffwechsel und die Motilität. Die Senkung des Energiespiegels kühlt die körperlichen Erregungen und dient zur Abwehr von Emotionen.

Weitreichende Bewusstseinsveränderungen können durch Hyperventilation und/oder längeres Atemanhalten bewirkt werden. Schnelles flaches Hecheln bei forcierter Ausatmung (Hyperventilation) kann zu Schwindelgefühlen und einer Art Narkose und später zur Ohnmacht führen. Körperliche Begleitsymptome können sein: Übelkeit, Kribbeln, Krämpfe, Steifheit, Schmerz und Taubheit.

Atemtherapie in der Körperpsychotherapie

Alle Körpertherapiemethoden, die im 20. Jahrhundert entwickelt wurden, berücksichtigen bzw. nutzen den Atem als wichtiges Element. Die Praktiken des Atmens weichen allerdings stark voneinander ab. Bei psychotherapeutischer Körper- und Atemarbeit - hier ist die tanztherapeutische Atemarbeit einzuschließen - wird nicht das Training eines neuen Atem- oder Bewegungsmusters oder die direkte Behandlung von Atemfehlformen, bzw. allein die Vertiefung von Entspannung oder Konzentration beabsichtigt. Denn wenn man eine Atem-Blockade im Körper wie ein Symptom einfach auflöst, kann es möglicherweise woanders wieder auftauchen. Deswegen ist in der Körperpsychotherapie der persönliche Hintergrund für die Atemstörung entscheidend. Gegenwärtige Konflikte und  festgehaltene Erlebnisse aus der Vergangenheit können mittels Atmung bewußt erfahren werden. Die Körperpsychotherapie hat zum Ziel, diese Erfahrungen aufzuarbeiten.

Für die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit einem tanztherapeutischen Atem-Ansatz in Zusammenhang mit Krebspatienten wurde mir 1996 der 1. Preis der Internationalen Gesellschaft für Kunst, Gestaltung und Therapie (IAACT) verliehen. Diese Arbeit wurde im Jahr 2155 vom Akademiker-Verlag als Buch veröffentlicht (siehe nebenstehend links).

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