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"Jede Blüte will zur Frucht, jeder Morgen Abend werden. Ewiges ist nicht auf
Erden als der Wandel als die Frucht."  (Hermann Hesse)


Krebs und Psyche

Ausdrucks- und Beziehungsprobleme des Menschen in seiner Umwelt scheinen sich in tiefgreifenden chronischen Störungen der Kommunikations- und Koordinationsfunktionen auf zellulärer, hormoneller und neurologischer Basis im Körper niederzuschlagen.

Über einen möglichen Zusammenhang zwischen Krebs und Psyche liegen zahlreiche empirische Resultate vor, die bis auf den römischen Arzt Galen zurückgehen. Dieser hatte bei melancholischen Frauen häufiger als bei temperamentvollen Brustkrebs beobachtet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Korrelationen zwischen ständigem Kummer und einer späteren Krebserkrankung propagiert. Freud schrieb den Krebszellen eine "narzißtische" Eigenschaft gegenüber den Gewebszellen zu. Die Krebsentstehung wird oft auch als ein Ergebnis einer gestörten Entwicklung in der frühen Kindheit betrachtet. Da es keine einheitliche psychologische Meinung über das Krankheitsbild Krebs gibt, stelle ich verschiedene psychoonkologische Hypothesenbildungen vor, ohne dass ich persönlich mit all diesen Hýpothesen übereinstimme. Interessant sit jedoch, das die Krebsgeschwulst nicht als Krankheit selbst, sondern lediglich als Symptom angesehen wird:

  1. Das Krebsbild der Psychosomatik
  2. Verlust-/Depressionshypothese
  3. Krebspersönlichkeit?
  4. Reifungsprozess
  5. Kommunikationsstörung
  6. Aufruf zur Überwindung der Polarität
  7. Zellpsychose
  8. Reich: Krebs - Erstickung und Schrumpfung

1. Das Krebsbild der Psychosomatik
Psychosomatisch wird Krebs als ein aggressiv-destruktiver Prozess, ein "Eintauchen in das destruktive Element", gedeutet. Ein inneres Objekt (Introjekt), das böse ist, mit allen Eigenschaften lebender, vom Ich getrennter Objekte ausgestattet. Es ist autonom und beabsichtigt den Trägerorganismus zu zerstören. Bei Überbetonung oral-aggressiver Impulse wird das Karzinom als etwas Fesselndes, Aufzehrendes, Zerstörerisches erlebt, was mitunter in die Richtung einer zerstörenden archaischen Mutter gehen kann. Oder es überwiegen die sadomasochistischen Züge, bei denen das Karzinom als brutales, sadistisches, überwältigendes Introjekt erlebt wird, was auf ein archaisch strafendes Elternteil verweist.

2. Verlust-/ Depressionshypothese
Viele Forschergruppen, vor allem der Amerikaner LeShan, fanden in etwa drei von vier Krebsfällen als Vorboten bei der Entwicklung von Krebs erschütternde Verluste oder Trennungen von Bezugspersonen. LeShan bemerkte bei allen Erkrankten tiefe, lähmende Erschöpfung und Depression aufgrund von unlöslichen Lebenssituationen vor der Erkrankung. Anders als neurotisch Depressive verzweifeln die Krebskranken am Nichts. "Die Farbe, der Schwung, der Sinn war aus ihrem Leben gewichen. ... Sie empfanden ihr Leben als leer 'Gestalt ohne Form, Schatten ohne Farbe, gelähmte Kraft, Geste ohne Bewegung'. Zwar machten sie die Geste, aber sie war kraftlos. Sie hatten keine Hoffnung mehr für die Zukunft, und die Überzeugung, dass die Geste sinnvoll sei, fehlte Ihnen. Die Ergebnisse von LeShan im Detail:

a) Der Verlust einer wichtigen Bezugsperson ist mit der Unfähigkeit gekoppelt, eine neue Bindung einzugehen. Meist ist die Beziehungsfähigkeit in den ersten 7 Jahren der Kindheit geschädigt worden. Diese traumatische Situation hat gewöhnlich nicht die Intensität einer Neurose.

Es wird eher ein Doppelleben geführt: ein normales, realistisches, in dem die soziale Rolle in einer zwanghaften, unpersönlichen Art ausgefüllt wird und ein zweites, in dem ein kindliches, verletztes, bettelndes und hoffnungsloses Selbst ohne Beziehung zum bewussten Selbst dahinvegetiert. Zwischen diesen Persönlichkeitsschichten fehlt die Kommunikation völlig. Krebskranke erleben, dass sie entweder sie selbst sein können - und damit allein und ungeliebt - oder sich selbst aufgeben müssen, um ein anderer Mensch zu sein und als solcher geliebt zu werden.

b) Krebspatienten sind in der Fähigkeit, Gefühle der Verletzung, Wut und Zorn zur Verteidigung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu entwickeln oder auszudrücken, gelähmt. Der beobachtete Gefühlsstau führt LeShan zu der Frage, ob Krebs nicht eine Krankheit sei, die in erster Linie jene Menschen befalle, die ein Höchstmass an emotionaler Kraft haben.

c) Es bestehen oft ungelöste Spannungen aufgrund von einem Jahre zurückliegenden Tod eines Elternteils. Krebskranke stellen in der Regel riesenhafte Ansprüche an sich selbst, erwarten aber fast immer Misslingen und Ablehnung. Der Glaube an Befriedigung durch die Objekte der Außenwelt fehlt ebenso wie der Glaube an die Möglichkeit von Entwicklung oder daran, dass die Einsamkeit zu mindern ist.

Aus dem emotionalen Gefängnis gibt es keinen anderen Ausweg als den Tod. Mit dem Krebs trifft dann nur das ein, was schon immer erwartet wurde. Die Beziehung zwischen dem kranken Menschen und dem Krebs ist symbiotisch.

3. Krebspersönlichkeit?
Gemäss der Hypothese der Krebspersönlichkeit sind Abwehrdynamik und Internalisierungen wichtige Unterscheidungskriterien der Krebskranken von "gewöhnlichen" Depressiven

  • Verneinung, Verdrängung und Verleugnung sind die typischen Abwehrmechanismen. Nach der "Komplementaritätshypothese" spielen sich im somatischen Bereich ähnliche Vorgänge ab wie bei der psychischen Regression.
  • Krebskranke gelten als ängstlich und unfähig zur "Katharsis".
  • Misstrauen und Abneigung sich selbst gegenüber gehen über das bei Neurotikern übliche Maß der Selbstablehnung hinaus.
  • Verminderte Selbstwahrnehmungsfähigkeit und -willigkeit.
  • Wiederholungszwang selbstdestruktiven Verhaltens.
  • Autoritätsgläubigkeit, Religiosität, Moralität, gehemmte Sexualität.
    Von anderer Seite wird die These der Krebspersönlichkeit als "reine Spekulation" gewertet Haupt-Handicap der meisten Studien zu diesem Thema ist, dass es sich um retrospektive Ermittlungen handelt.

4. Reifungsprozess der Krebskranken
Einige der oben aufgeführten für ursächlich befundenen Charakteristika der Krebskranken sind von den emotionalen Begleiterscheinungen der Krankheit nicht zu trennen. Die Auseinandersetzung mit der Krebserkrankung verläuft in Anlehnung an Kübler-Ross in Phasen:

  1. Das Nicht-wahr-haben-wollen mit dem Gefühl "Ich bin es nicht" ist begleitet von sozialer Isolierung.
  2. In der Kampfphase dominieren Zorn, Wut, Groll und Neid und die Frage "warum gerade ich?".
  3. Verhandlungsphase: Durch Wohlverhalten hoffen die Kranken dem drohenden Schicksal zu entkommen. Es besteht große Bereitschaft, Schuldgefühle zu benennen und zu bewältigen.
  4. Die Depressionsphase besteht aus einem reaktiven Anteil, in dem der Patient sich als hässlich und abstoßend erlebt und aus einem zweiten Anteil, in dem die Angst vor dem, was kommen wird, vorherrscht. Zentral ist die Ur-Angst, das Festhalten-wollen am Leben.
  5. Zustimmung und Hinnahme: Tod wird als Teil des Lebens angenommen. Der Kontakt zu Angehörigen lebt wieder auf. Die Gesten werden zahlreicher.

5. Krebs - eine Kommunikationsstörung
Nach dem Modell der Psychoneuroimmunologie ist Krebs eine Störung der bio-psycho-sozialen Kommunikation. Vester verkündet, dass Krebs ein zweites, fehlgesteuertes, d. h. parallel ablaufendes Leben bestimmter Zellen ist und damit keine Krankheit im eigentlichen Sinne.

Kommunikation und Koordination sind demnach im krebskranken Organismus stark gestört. Krebszellen gleichen in vielen ihrer Stoffwechselfunktionen den Embryonalzellen. Eine ursprüngliche unbefriedigende Kindheitssituation ist laut Vester im Körper als latente psycho-biologische Störung verborgen und kann durch ein aktuelles Verlustereignis hormonell wieder aufleben. Frühkindlich geschädigten Menschen könne man die Krebswahrscheinlichkeit mit ähnlich statistisch gesicherten Prozentzahlen voraussagen wie etwa starken Rauchern!

6. Krebs - ein Aufruf zur Überwindung der Polarität
Der Psychotherapeut Detlefsen und der Mediziner Dahlke betrachten Krankheit als Polarität und Heilung als Überwindung von Polarität. Den Krebs deuten sie als Regression von Zellen auf eine frühe Daseinsstufe der Einzeller, da die Krebszellen von der Sauerstoffatmung auf die primitivere Form der Gärung umstellen: "Atmung ist abhängig von der Gemeinschaft (Austausch), Gärung kann jede Zelle für sich allein machen". Die besonderen Eigenschaften der Einzeller sind Freiheit, Unabhängigkeit und Unsterblichkeit. Das rücksichtslose Verhalten der Krebszellen hingegen ist kurzsichtig, und nur so lange erfolgreich, wie der Mensch lebt. Die ständige Größenzunahme der Kerne - dem Gehirn der Zellen - im Vergleich zum Zellplasma der Krebszellen sei eine Überbewertung des Egos. Krebs sei unserer Spiegel, Ausdruck des grenzenlosen Wachstums und des Scheiterns von zwischenmenschlicher Kommunikation. Man verwechsle Inhalt und Form und versuche durch Vermehrung der Form den ersehnten Inhalt zu bekommen: "Die Menschen haben Krebs, weil sie Krebs sind", lautet die Schuldgefühle einflössende Scihtweise.

7. Krebs - Zellpsychose
"Der Killer Nummer eins in der heutigen Zeit ist nicht Krebs oder Herzkrankheit, sondern Verdrängung. Unbewusstheit ist die wirkliche Gefahr und Neurose der wirkliche Mörder" (Janov). Neurose manifestiert sich nach primärtherapeutischen Erkenntnissen in fast jedem biologischen Prozess des Körpers, z. B. in Atmung, Blutdruck, Gehirnwellenfunktion, Puls und Körpertemperatur. Durch das Fühlen und den Ausdruck von Einsamkeit, Geschlagensein, Angst, Entfremdung und Frustration sinkt der Spiegel der Stresshormone um 50-60 Prozent. Krebs wird von dem Primärtherapeuten als bösartige Erkrankung der Gewebe, als Zellpsychose, gewertet. Die Phänomene der Verzweiflung und Erschöpfung bei Krebs werden als frühe Prägungen interpretiert.

8. Reich: Krebs - Erstickung und Schrumpfung
Wilhelm Reich's naturwissenschaftlich fundierte "orgonomische Krebstheorie" macht sexuelle und soziale Ursachen für den Krebs verantwortlich. "Der Krebs ist eine Fäulnis der Gewebe bei lebendigem Leibe infolge Lusthungers des Organismus." Reich geht von der Existenz einer spezifisch biologischen Energie (Orgon) aus, die als innerer Impulsgeber die Bewegungen der Organe koordiniert, und die an Formgebungsprozesse gebunden ist.

Orgon steht mit dem atmosphärischen Sauerstoff in Verbindung und wird dem Organismus durch die Atmung der Haut und der Lungen aus Luft und Sonne ununterbrochen zugeführt. Die beiden Grundfunktionen der biologischen Energie sind Attraktion und Dissoziation, welche die Vorgänge der Kontraktion und Expansion steuern. Bei allen Krankheiten (außer den Infektionen) überwiegt die chronische Kontraktion im gesamten Organismus. Am Klarsten tritt dieses Phänomen an der Atmungsstörung hervor.

Reich stellt sich die biologischen, physiologischen und seelischen Funktionen plastisch-räumlich als einen weiten Kreis mit einem Zentrum (>Kern<) vor. Das Einschrumpfen der Kreisperiphere entspricht der Störung physiologischer sowie charakterlicher und emotionaler Reaktionen:

Kontakt- Arbeits- und Lustfähigkeit, Lebensgenuss, Pulsation und vegetative Erregung nehmen ab. Hat der Schrumpfungsprozess das Zentrum, den biologischen Kern, erreicht, dann beginnt das Plasma selbst einzugehen. Es gibt oberflächliche und tiefergreifende Störungen der Körperfunktion.

"Eine akute Atemstörung wird dem Kern des Biosystems nichts anhaben. Eine chronische Atemstörung durch Inspirationshaltung wird chronische Angst erzeugen, aber die biologische Zellplasmafunktion nicht überführen, solange die bioenergetischen Funktionen in den Zellen selbst weitergehen, solange der Organismus weiter kräftig Impulse produziert. Ist aber die Impulsproduktion in den Zellen selbst getroffen, hat die periphere charakterliche Resignation das Zellplasma selbst erfasst, dann haben wir es mit dem Prozess der biopathischen Schrumpfung zu tun. Für den Krebs scheint für Reich diese Störung als spezifisch gesichert.

Der Gewebszerfall bei Krebs resultiert aus chronischen sozialen Schädigungen der Lebenstätigkeit. Einzelne unbewegte, in einen Zellverband eingeordnete Zellen des Vielzeller-Organismus verwandeln sich in bewegte, "wilde" amöboide Organismen. Ursache ist die Rebellion der betroffenen Kerne gegen im Plasma ablaufende Erstickungs- und Schrumpfungsvorgänge.

Reich spricht von einem Angstanfall in den Zellkernen in erstickendem Gewebe. Während der Angstanfall bei der Angstneurose den Kern und die Peripherie erfasst, handelt es sich beim Krebs um einen Angstanfall in den Kernen allein bei emotionaler Stille in der Peripherie. "Bei der lokalen Geschwulstbildung ist der Gesamtorganismus im Absterben begriffen und nur noch die Kerne sind lebensstark und angstfähig".

Beim Krebs wird laut Reich, der natürliche Altersschrumpfungsvorgang im Menschen aufgrund unbewusster Selbstmordtendenzen beschleunigt. Reich legt seiner Definition von "Krebsdisposition" klinisch gesicherte Tatbestände zu Grunde:

  • Schlechte äußere Atmung, die eine Störung der Gewebsatmung zur Folge hat. Einschränkungen der Atmung sind: Ausatmung flach, gebremst, chronische Einatmungshaltung, Pause in Einatmungshaltung, chronische Angsthaltung des Brustkorbes, kein Lustempfinden bei der Ausatmung. Reich spricht von einer Erstickung des Zellenergiesystems und greift damit die Theorie Warburgs auf
  • Gestörte bioenergetische Ladungstätigkeit
  • Chronische Spasmen der Muskulatur mit der Folge der Herabsetzung der Organempfindungen
    Außerdem entdeckte Reich bei der Therapie von Krebskranken gemeinsame Symptome körperlicher Immobilität:
  • Allgemeiner körperlicher Schwächezustand, der sich als Angst oder Abneigung, sich zu bewegen und als Verlangsamung jeder Bewegung äußert.
  • Eine Unsicherheit im Gleichgewichtsempfinden, die eine Fallangst bedingt
  • Funktionelle Lähmungen: Organtaubheit als subjektive Wahrnehmung objektiver Organimmobilität der betreffenden Körperstellen
  • Emotionen und Erregungen werden mit der Zeit immer schwächer
  • Allgemeine Sympatikotonie: rascher Puls, Blässe und Trockenheit der Haut, eingefallene Wangen, gehemmte Schweissdrüsentätigkeit

 

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